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DIE GREIFENBERGER KLEINBAHN

Die westlichste der heute noch existierenden Meterspurstrecken in Polen geht auf das Jahr 1896 zurück. Am 1 .7.1896 wurde zwischen Greifenberg (heute: Gryfice) und Horst-Seebad (heute: Niechorze) auf einer Länge von 35,3 km der Zugbetrieb eröffnet. Ursprünglich, d.h. bis 1901, hat die Greifenberger Kleinbahn, die von der Firma Lenz & Co in Berlin gebaut und bis 1910 auch betrieben wird, eine Spurweite von 750mm. Schon im Jahre 1998 kann die Greifenberger Kleinbahn um 20,2 km nach Dargislaff erweitert werden.

Bereits 1899 wird von der benachbarten meterspurigen Kolberger Kleinbahn eine Strecke von Mühlenbruch (heute:Skrzydlowo) nach Dummadel (heute: Tapadly) in Meterspur gebaut, um die beiden Strecken zu verbinden. Im Bahnhof Dummadel treffen nun zwei Schmalspurbahnen mit unterschiedlichen Spurweiten aufeinander, was auf Dauer nicht praktikabel ist. Schon im Juli 1900 wird daher der Greifenberger Kleinbahn eine Staatsbeihilfe zur Umspurung ihrer Strecken auf 1000 mm gewährt.

Die folgenden Strecken, so auch die damals schon in Planung befindliche Strecke von Chausseehaus (heute: Popiele) nach Gülzow (heute: Golczewo), wird nun in Meterspur gebaut, die existierenden Strecken in nur 3 Wochen umgespurt, was durch den frühzeitigen Einbau von längeren Schwellen begünstigt wird. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch die Verbindungsstrecke zur Kolberger Kleinbahn von Dummadel nach Mühlenbruch von der Greifenberger Kleinbahn angepachtet.

Am 17.8.1901 wird die Strecke Chausseehaus - Gülzow eröffnet. Gülzow erhält hiermit seinen ersten Anschluß an das Eisenbahnnetz, die Staatsbahnstrecke wird erst 8 Jahre später am 24.4.1909 eröffnet. 1903 wird die Strecke bis Stepenitz verlängert, wodurch in Kantreck ein Anschluß an die normalspurige Staatsbahnstrecke Cammin - Stettin und in Stepenitz ein Anschluß an den Schiffsverkehr entsteht, der für Massengüter rege benutzt wird. Als am 1.4.1910 die Firma Lenz & Co die Betriebsleitung der Greifenberger Kleinbahn an die Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Pommern in Stettin abgibt, hat die Kleinbahn eine Länge von über 100 km.

Schon einen Monat später werden zwei weitere Strecken begonnen, zum einen die 1907 eingeweihte Strecke von Treptow nach Rega und zum anderen die Strecke Treptow - Horst-Seebad, die 1913 eröffnet wird und den Greifenberger Ring schließt. Dieser Ring hätte zwar theoretisch einen durchgehenden Betrieb von Greifenberg aber Treptow nach Greifenberg ermöglicht, doch diesen gab es nie. Statt dessen werden alle Züge in Greifenberg und Treptow gebrochen.

In der Zeit bis 1913 entstehen noch weitere Stichstrecken wobei die Stichstrecke von Zarnglaff nach Rackitt die interessanteste sein dürfte, wird sie doch zwischen Zarnglaff-Dorf und Rackitt dreischienig ausgeführt. Sie dient der Abfuhr von Produkten der 1901 in Zarnglaff gegründeten Pommerschen Kalksteinwerke GmbH, die von 1907 bis

1916 von der Firma Lenz & Co gepachtet wird. Diese Strecke muß später (1916) wegen Vergrößerung der Kalksteingruben nach Böck verlegt werden.

1920 wird die Kleinbahnverwaltung des Provinzialverbandes Pommern aufgelöst, die Greifenberger Kleinbahn gehört nun zur Vereinigung hinterpommerscher Kleinbahnen. Die folgenden 17 Jahre stellen die Kleinbahn vor schwere Probleme. Der Betrieb auf den Strecken wird erheblich eingeschränkt und die Strecke nach Rackitt wird an die Kalksteinwerke abgegeben. Die Versuche, den Personenverkehr auf Busse zu verlagern, scheitern, 1929 werden beide Linien (Greifenberg - Gülzow, Greifenberg - Treptow) nach nur zwei Jahren Betrieb eingestellt. 1931 wird ein vierachsiger Personenwagen von der Greifenberger Kleinbahn in eigener Werkstatt zum Benzoltriebwagen umgebaut.

1937 werden die drei pommerschen Kleinbahnverwaltungen aufgelöst und ihre Strecken der Landesbahndirektion Pommern zugeordnet. In diese Zeit fällt die größte Ausdehnung der Kleinbahn mit über 175 km, nachdem die Strecke von Deep nach Kamp in Betrieb genommen wurde. Diese Strecke existiert allerdings nur 7 Jahre.

1940 werden die Pommerschen Landesbahnen gegründet und das Vermögen bzw. alle Rechte und Schulden der Kleinbahnen gehen auf diese über. 1943 wird ein einheitliches Nummerierungssystem für diese Bahnen entwickelt und zur Anwendung gebracht, angeschrieben werden diese Bezeichnungen an den Fahrzeugen allerdings nicht.

Am 5.3.1945 wurde Greifenberg von sowjetischen Truppen eingenommen. Der Zugbetrieb war aber hier schon vorher eingestellt worden, nachdem die Strecke Greifenberg - Stepenitz als Hauptfluchtweg vor den anrückenden Truppen gedient hatte. Am 5.3. sterben fünf Fahrgäste des letzten Zuges aus Zarnglaff bei einem Angriff der sowjetischen Truppen auf diesen Zug, 14 Personen werden verletzt.

Noch im Jahr 1945 werden alle polnischen Eisenbahnstrecken der PKP (Polnische Staatsbahn) unterstellt und der Verkehr auf diesen wird, soweit möglich, wieder aufgenommen.

In den Jahren 1946 bis in die Neuzeit werden einige unrentable Stichstrecken von der PKP stillgelegt und zur Gewinnung von Material für andere Strecken auch sofort zurückgebaut. Die Strecke Loznica (Kantreck) - Stepniza (Stepenitz) wird zur Wirtschaftsbahn heruntergestuft und verliert 1978 ihren Personenverkehr. Ab 1979 werden trotz anlaufender Produktion der Diesellokomotiven Lxd2 noch 17 Px48 von 750 mm auf 1000 mm umgespurt. Dieses rührt daher, daß das pommersche Schmalspurnetz für das Militär von strategischer Bedeutung war und auch noch ist, bietet es doch eine sehr gute Verbindung vom Landesinneren an die polnische Ostseeküste. Dieses erklärt auch, warum auf der Strecke zwischen Trzebiatow (Treptow) und Goslaw (Gützlaffshagen) zwar der Verkehr eingestellt, diese aber nicht demontiert wurde.