|
|
Anfang Juni 2000 hatte ich die Möglichkeit im Rahmen einer Studienreise der DGEG, Teile von Serbien per Eisenbahn zu bereisen. Hierbei stand auch ein Besuch des bzw. der Museumsbahnprojekte um Mokra Gora auf dem Programm. Der Ort Mokra Gora liegt im Sargan-Gebirge im Westen Serbiens, nur wenige Kilometer von der Serbisch-Bosnischen Grenze entfernt. Bis zur Stillegung der ehemaligen Bosnischen Ostbahn war er über diese im Westen mit Sarajevo und im Osten mit Usice/Belgrad verbunden. Nach der Stillegung der Schmalspurbahn wurden zwar die Gleise demontiert, Unterbau und Bauwerke blieben aber Großteils erhalten. Auf Teilen der alten Trasse sind serbische Eisenbahnfreunde mit Hilfe der Serbischen Staatsbahn und Unterstützung durch die örtliche Bevölkerung dabei, eine Museumsbahnstrecke auf 760mm-Spur aufzubauen. Dieser Teil des Projektes umfaßt die Rekonstruktion des ca. 17km langen Teilstückes Mokra Gora - Sargan.
Anfang Juni bot sich folgendes Bild: Der Bahnhof Mokra Gora ist als dreigleisiger (End-)bahnhof wieder hergestellt worden, das Bahnhofsgebäude wurde restauriert und beherbergt u.a. eine kleine Gaststätte. Das Gleis in Richtung Sargan endet zu diesem Zeitpunkt kurz hinter der Einfahrweiche vor einem Friedhof, den das zukünftige Streckengleis durchschneiden muß. Im Bahnhof ist ein eingleisiger Lokschuppen im Bau. Das Gleismaterial im Bahnhof besteht aus altbrauchbaren Schienen, die allerdings recht wild mit der abgefahrenen Flanke nach innen bzw. außen eingebaut wurden. Ohne Korrektur dieser Gleisverlegung wird es sicherlich im Planbetrieb zu großen Betriebsproblemen kommen. Der erste Tunnel in Richtung Sargan wird noch von einem Pilzzuchtbetrieb benutzt, man ist auf der Suche nach einem Ausweichstandort für dieses Unternehmen. Die weitere Strecke ist freigeschnitten worden und als Fahrweg nutzbar. Die erste Stahlträgerbrücke ist fast fertig aufgearbeitet, man war bei Lackierarbeiten. In diesem Bereich wurde ein steiler Verbindungsweg geschaffen, um mit Geländewagen die nicht befahrbaren Eisenbahnbrücken umgehen zu können. Vor der Brücke wird noch der im Tal liegende zukünftige Endbahnhof des 600mm-Waldbahnprojektes passiert (Man wird hier sicherlich einen Haltepunkt einrichten, um beide Projekte für Besucher zu verknüpfen). Im Bereich der ehemaligen Station Jatare lagern große Mengen Schotter für den Wiederaufbau, die nach dort per LKW gebracht wurden. Diese Station soll Endpunkt der ersten Ausbaustufe von Sargan aus sein. Im letzten Tunnel vor Sargan liegt schon der Schotter für die Verlegung der Gleisjoche, doch ist dieser durch das Befahren mit Straßenfahrzeugen extrem zerwühlt. Gleich nach Ausfahrt aus dem Tunnel liegt der zukünftige Endbahnhof Sargan. Hier lagern große Mengen vorgefertigter Gleisjoche für die erste Etappe des Streckenbaus. Man berichtete uns, daß direkt nach unserer Bereisung (per Geländewagen mit einheimischen Fahrern) diese Joche eingebaut werden sollen und die Strecke somit für Straßenfahrzeuge nicht mehr komplett befahrbar sein solle (Auch eine Form von Abschiedsfahrt, die wir dort machen konnten...). Das Bahnhofsgebäude vor Sargan ist entkernt worden und wird renoviert werden. Das ehemalige Gleisdreieck an der östlichen Ausfahrt ist freigeschnitten und begehbar. (In Mokra Gora soll zum Wenden der Lokomotiven die ehemalige Drehscheibe von Zajecar eingebaut werden, sie lag in Zajecar ausgebaut auf mehreren Eisenbahnwagen zum Transport verladen bereit). Beim 600mm-Projekt auf einer ehemaligen Pferdebahntrasse war die zukünftige Bahnsteighalle des Endbahnhofes, eine Konstruktion aus zwei nebeneinander auf Stahlstützen liegenden Wagendächern zu begutachten.
Im Bahnhof Mokra Gora waren für uns zwei Dampfloks angeheizt (Die einzigen vor Ort vorhandenen Schienenfahrzeuge):
Die 25-27 sollte kurz darauf zum Streckenaufbau nach Sargan umgesetzt werden. Im zukünftigen Endbahnhof des 600mm-Projektes stand ein aufgearbeiteter 4-achsiger Personenwagen. Im Reisezugwagen-AW in Smederevo waren einige Güterwagen und ein Personenwagen der ehemaligen Schmalspurbahn von Bijeljina als "Arbeitsvorrat" zu besichtigen, der Leiter des Werkes wies bei seiner Begrüßung auf Nachfrage auf eine Schautafel hin, auf der einige Fahrzeugtypen hervorgehoben waren, die für eine Aufarbeitung für Mokra Gora bestimmt sind. Leider waren weitere Informationen darüber nicht zu bekommen. Im Ausbesserungswerk Sinvoz in Zrenjanin waren für das 760mm-Projekt die Lokomotiven
zu besichtigen. Unter Dampf stand für und die 600mm-Tenderlok 88 (Duro Dakovic; 1947) ex. Waldbahn Visnjicevo. Weitere Lokomotiven, u.a.
und eine weitere Feldbahndiesellok standen als Arbeitsvorrat in den Werkhallen.
Im AW Zelvoz in Zrenjanin sollen lt. Internet mehrere Wagen für die beiden Projekte in Aufarbeitung sein (http://www.steam.Co.uk/trains/serbia1.htm). Weitere Kandidaten für das Museumsbahn-Projekt in Mokra Gora sind mittelfristig die Fahrzeuge des Schmalspurmuseums in Pozega. Auch ist geplant, eine der beiden Satteltankloks des ehemaligen Stahlwerkes in Smederevo (Porter; 1950) nach Mokra Gora zu bringen. Von der Kohlenbahn Vreoci soll die Decauville 53-028 nach Mokra Gora überstellt werden.