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DIE ZUFUHRBAHNEN GRÓJEC UND WILANÓW DER WARSCHAUER ZUFUHRBAHN
 

Historisch gesehen ist die Warschauer Zufuhrbahn [(WKD) Warszawskie Koleje Dojazdowe] ein Zusammenschluß von fünf ehemals unabhängigen Bahnen im Raum Warschau. Von diesen Bahnen hatten drei ursprünglich eine Spurweite von 800 mm und waren pferde- bzw. dampfbetrieben. Dieses waren die Towarzystwo Akcyjne Warszawskich Kolej Dojazdowych, die Jablonna im Norden von Warschau mit Karczew im Süden von Warschau verband, die Kolejka Marecka, die Radzymin im Nordosten Warschaus mit dem Bahnhof Warszawa Stalowna verband und die Kolejka Wilanówska, die Iwiczna mit dem Bahnhof Warszawa Towarowa verband. Die vierte, heute noch existierende Strecke ist eine normalspurige, elektrifizierte Vorortbahn, die Elektrycne Koleje Dojazdowe SP.AKC. (EKD), die Warszawa Sródmiescie mit Milanówek im Westen Warschaus verbindet. Die fünfte Strecke ist die heute noch als Reststrecke vorhandene Kolejka Grójecka, eine Meterspurlinie, die ursprünglich Nowe Miasto nad Pilica mit Warsczawa-Towarowa verband.

Interessieren sollen uns hier aber nur die beiden eng verknüpften Strecken im Süden Warschaus, die Kolejka Grójecka und Wilanówska.

Zwischen 1891 und 1896 wird im Süden von Warschau eine Schmalspurbahn in 800mm Spurweite gebaut. Diese soll, von polnischen Kaufleuten finanziert, das südliche Umland von Warschau für den Handel erschließen. Bis 1894 ist diese Bahn eine reine Pferdebahn, erst 1894 kommen auch die ersten Dampfloks zum Einsatz. Bemerkenswert an dieser Strecke ist, daß das Streckenstück Belweder - Plac Unii Lubelskiej eine Steigung von 4,1% aufweist und von daher zwischen 1902 und max. 1915 als Zahnradbahn, System Abt , betrieben wird.

1898 wird die erste Strecke der Kolejka Grójecka von Plac Unii Lubelskiej bis Góra Kalwaria in Meterspur eröffnet. Verknüpfungspunkte zur Kolejka Wilanówska bestehen in Plac Unii L. und Iwiczna, nördlich von Piaseczno.

1911 werden die fünf ehemals selbstständigen Warschauer Zufuhrbahnen auf Dekret der russischen Regierung zu einer Aktiengesellschaft, der WKD, verschmolzen.

1914 wird das im Jahre 1900 von der Kolejka Wilanówska in 800mm Spurweite Verbindungsgleis Plac Unii L. - Warszawa-Towarowa (=Gbf.) zusätzlich mit Meterspurgleisen (Dreischienengleis) versehen. Auf dieser Verbindungsstrecke besteht nur Güterverkehr.

1935 werden die Reststrecken der Kolejka Wilanówska im Rahmen des Rückzuges der WKD aus dem Warschauer Zentrum von 800mm auf 1000mm umgespurt. Es entsteht ein neuer Übergabebahnhof zur Normalspur in Piaseczno.

Seit 1957 werden auch die verbliebenen Meterspurstrecken von der PKP, die 1949 die WKD-Strecken übernommen hat, sukzessive stillgelegt. Die Strecke Belweder - Wilanów wird so durch eine Straßenbahn in 1435mm Spurweite (allerdings auf anderer Trasse) ersetzt. Auf der ehemaligen Meterspurtrasse von Warschau nach Piaseczno fährt heute die einzige O-Bus Linie Warschaus.

Offiziell wird am 8.9.1996 auch der Güterverkehr auf der Reststrecke nach Nowe Miasto von der PKP eingestellt, allerdings gibt es eine stillschweigende Übereinkunft zwischen den Kunden an der Strecke und den Eisenbahnern in Piaseczno: Solange noch Personal und Fahrzeuge in Piaseczno vorhanden sind, werden die Kunden weiterbedient. Das Geld für die Fahrten wird von den Bediensteten direkt bei den Kunden kassiert und verbleibt in Piaseczno.


 
STAND SOMMER 1998

Seit Sommer 1998 finden auf der Strecke Sonderzugfahrten mit einer auf 1000mm umgespurten Px48 statt. Bei der Lok Px48 3917 handelt es sich um die ursprüngliche Px49 1791 (Chrzanów 2031; 1951), eine ursprünglich mit dreiachsigem Tender für Jugoslawien gebaute Lok, die zusammen mit weiteren 9 baugleichen Lokomotiven aber als Px49 in Polen verblieben.